Ein entscheidender Unterschied: Verbundenheit im Menschlichen vs. Spirituellen
Auf dem inneren Weg kann es passieren, dass wir uns eine Wahrheit aneignen und sie generalisieren, beziehungsweise sie auf Ebenen unseres Menschseins übersetzen, wo uns die Gesetzmäßigkeiten nicht dienen.
Warum das so wichtig ist und wie man hier unterscheiden kann, darum geht es im heutigen Tagesimpuls: Lass mich das erklären: Wenn wir zum Beispiel in der Non-Dualität unseres tiefsten Bewusstseins berührt werden und uns als Einheit mit dem Kosmos in Meditation erfahren, ist das eine unfassbar kostbare Erfahrung, die mir bewusst macht, dass ich nicht abgetrennt bin, sondern mit allem verbunden.
Wenn ich diese Gesetzmäßigkeit jedoch auf mein Leben und meine Beziehungen generalisiere, passiert es auf einmal, dass ich mich als Person, als Individuum mit meinen Emotionen und Grenzen nicht mehr wahrnehme, sie verdränge oder übergehe.
Wenn wir uns durch Persönlichkeitsarbeit immer bewusster mit uns und unseren Mustern auseinandersetzen, kann es sein, dass wir uns mehr und mehr nur als die Erfahrung von Vergangenheit definieren. Wenn wir die Gesetzmäßigkeit der Prägung auf unser ganzes Menschsein übersetzen, verlieren wir aus dem Blick, dass wir tatsächlich Bewusstsein sind, das eingebunden ist.
Dass wir nicht nur das sind, was schmerzt, sondern dass es ein Teil von uns ist, der Leid und Schmerz erfahren hat.
Denn Verbundenheit im Menschlichen und Verbundenheit im Spirituellen folgen unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten:
In Beziehungen braucht es, dass ich erkenne, wann meine Prägung reaktiv mich übernimmt. Wie ich Verantwortung und Regulation reinbringe. Wie ich mich verletzlich zeige, um gemeinsame Intimität zu leben.
In der spirituellen Verbundenheit geht es um Einswerden – um Stille, um das Loslassen des Persönlichen. Das sind fast entgegengesetzte Bewegungen. Und beide sind wahr. Beide sind essenziell.
Eine so relevante Kulturarbeit ist, dass wir nicht nur eine Ebene sind, sondern multidimensional in unserer Erfahrung hier sind. Und wann es welche Ebene braucht.
Wir brauchen unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten für unterschiedliche Realitäten, die wir bespielen. Menschsein, Beziehung leben oder Prägung integrieren braucht andere Werkzeuge als der Weg hin zur Einheit.
Wenn wir beginnen, das eine auf das andere zu übersetzen und damit zu argumentieren, enden wir entweder darin, durch Spiritualität das Menschliche zu umgehen oder durch die Reduktion auf das Menschliche das Spirituelle auszugrenzen.
In diesem Einschließen von beidem, der vereinten Gleichzeitigkeit in uns, entsteht die Möglichkeit einer gelebten Ganzheit – einer Präsenz, in der ich ganz Mensch bin und durchlässig für etwas Größeres.
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