Körperorientierte Begleitung lernen

Damit da sein dürfen

Von Lukas Göttl

Menschen sitzen auf Kissen in einem lichtdurchfluteten Raum mit Blick ins Grüne.

Wir können einem Menschen viel von uns erzählen und trotzdem genau das zurückhalten, wofür wir uns am meisten schämen.

Vielleicht erzählen wir von einer Trennung. Davon, was passiert ist und wie es jetzt weitergeht. Wie sehr wir an uns selbst zweifeln und dass wir uns seitdem kaum noch liebenswert fühlen, behalten wir für uns.

Das ist nachvollziehbar. Gerade dort, wo wir uns selbst nicht annehmen können, ist es schwer, uns einem anderen Menschen zu zeigen. Wir wissen nicht, wie er damit umgehen wird. Ob er uns noch genauso sieht, wenn er auch das von uns kennt.

Also versuchen wir, allein damit zurechtzukommen.

Manchmal haben wir genau das früh gelernt. Dass unser Schmerz zu viel war oder niemand etwas damit anfangen konnte. Vielleicht wurde er auch übergangen. Dann ist es verständlich, dass wir vorsichtig werden mit dem, was wir von uns zeigen.

Doch dadurch bleiben wir gerade mit dem allein, womit wir ein verständnisvolles Gegenüber bräuchten.

Sich damit zeigen dürfen

In der Begleitung begegnen wir auch dieser Vorsicht.

Ein Mensch beginnt etwas zu erzählen und lacht es im nächsten Moment wieder weg. Er sagt, dass es eigentlich nicht so schlimm sei. Während er spricht, schaut er, wie wir reagieren.

Hier braucht es Feingefühl. Dafür, wie viel jemand gerade von sich zeigen möchte. Und dafür, dass auch seine Zurückhaltung einen guten Grund haben kann.

Ich muss dich nicht dazu bringen, dich weiter zu öffnen. Ich kann mich dafür interessieren, wie es dir gerade damit geht, mir etwas von dir zu erzählen.

Vielleicht brauchst du Zeit. Vielleicht möchtest du erst mal erfahren, dass du auch etwas für dich behalten darfst und ich dir trotzdem zugewandt bleibe.

Wenn du dich dann mit etwas zeigen kannst, das du selbst als Makel empfindest, kann eine neue Erfahrung entstehen. Ich sehe, wie sehr es dich berührt, und meine Achtung vor dir bleibt bestehen.

Du musst dich dafür nicht kleiner machen. Und du musst es auch nicht erst überwunden haben, um damit bei mir sein zu dürfen.

Was geschehen ist, lässt sich dadurch nicht ungeschehen machen. Doch es kann sich verändern, wie allein du dich damit fühlst und wie du selbst damit in Beziehung bist.

Begleitung kann ein Ort sein, an dem ein Mensch erfährt, dass auch das Verletzliche in ihm in Beziehung sein darf.

Sich damit zu zeigen und zu erleben, dass jemand bleibt.

Den Körper in die Begleitung einbeziehen

Wenn wir körperorientierte Begleitung lernen, gehört dazu, auch für das aufmerksam zu werden, was während des Erzählens im Körper geschieht.

Vielleicht bemerkst du, dass du den Atem anhältst, während du von etwas sprichst. Oder dass deine Hände fest ineinanderliegen. Ich kann dich einladen, selbst wahrzunehmen, wie es dir gerade geht. Was diese Anspannung für dich bedeutet, können wir gemeinsam erforschen.

Dabei darfst du entscheiden, ob du dich ihr zuwenden möchtest. Auch eine Pause kann gerade das sein, was du brauchst.

Und ich kann bemerken, was in meinem eigenen Körper passiert. Ob ich unruhig werde, mich nach vorn lehne und schon darauf warte, dass sich bei dir etwas verändert.

Diese Aufmerksamkeit lässt sich üben. In der eigenen Selbsterfahrung und im Begleiten, mit Rückmeldung von anderen. So lernen wir, genauer wahrzunehmen und unsere Deutungen offen zu halten.

Eine Ausbildung in körperorientierter Begleitung wählen

Wenn du eine körperorientierte Coaching-Ausbildung suchst, lohnt sich deshalb ein genauer Blick darauf, wie dort Begleitung geübt wird. Gibt es Zeit für die eigene Erfahrung und für Rückmeldungen zu dem, was im Kontakt geschieht? Lernen wir auch, mit Zurückhaltung umzugehen und die Grenzen eines Menschen zu achten?

Für mich gehört dazu, dass wir unsere eigenen Reaktionen kennenlernen. Damit wir bei einem anderen bleiben können, auch wenn wir gerade keine Antwort haben.

Inspiriert von Richard Stieglers Newsletter „Achtsames Leben“.

Integrative Begleitung lernen

In unserer Ausbildung in integrativer Begleitung verbinden wir Körperarbeit mit Bewusstseins- und Prozessarbeit. Du sammelst eigene Erfahrungen und übst, Menschen in ihren inneren Prozessen zu begleiten. Auf der Ausbildungsseite findest du den Aufbau und die Inhalte unseres Instituts Conscious Campus.