Eine Frau hält ein lachendes Kind im Arm, vor ihnen liegt ein aufgeschlagenes Buch.

Die Stimme in unserem Kopf

Von Lukas Göttl

Der innere Kritiker und unsere Prägung

Wir alle haben eine Stimme in unserem Kopf, die unser Leben mitbestimmt. Diese Stimme sind nicht wir, wir haben sie uns angeeignet. Oder sie wurde uns angeeignet. Sie beurteilt uns, andere und die Welt.

Wenn wir als Kinder Beziehungserfahrungen machen, sind diese häufig davon geprägt, wie wir zu sein haben, sein sollten und was wir richtig oder falsch machen. Wir passen uns dementsprechend an, um Bindung zu erhalten. Eine innere Instanz, diese Stimme, entsteht in uns und ermöglicht somit das Verhalten, das uns unter anderem Beziehung sichert.

Wenn sie unseren Bus fährt, sind wir jedoch nicht in Kontakt mit uns, sondern mit Anpassung und Prägung. Wir leben aus innerer Fremdbestimmung heraus unser Leben, bis wir an unsere Grenzen kommen, Krisen erleben, Leben sich falsch anfühlt und wir durch Prozesse der Bewusstwerdung wieder mit dem Wesentlichen in Kontakt kommen. Prozesse sind für uns, nicht gegen uns.

Wesentliches in uns ist also nicht einfach weg, wenn dann sind wir nicht in Kontakt damit. Es ist überlagert, häufig von jener Instanz, der wir uns in diesem Beitrag widmen.

Eine Frau sitzt mit geschlossenen Augen und gefalteten Händen einem Mann gegenüber.

Der inneren Richterin begegnen

Erstens: Wir müssen uns bewusst werden, dass die innere Richterin aktiv ist. Es braucht Differenzierungsfähigkeit zwischen inneren Instanzen. Gewahrsein ist nicht wertend, Gewahrsein schließt ein und ist unparteilich.

Zweitens: Sie hat grundsätzlich eine gute Absicht: uns Sicherheit und Bindung zu ermöglichen. Sozial eingebunden zu sein. Das Problem ist nicht ihre ursprüngliche Absicht, sondern dass sie häufig mit alten Informationen arbeitet.

Drittens: Sie braucht einen klaren Spiegel in Begleitung, damit wir darauf aufmerksam werden, und auch Begrenzung, wenn sie sich gegen uns richtet.

„Stopp: So spreche ich nicht mit anderen und auch nicht mit mir selbst.“

Es geht nicht darum, diese Instanz in uns selbst wieder zu verurteilen. Sonst reproduzieren wir auf einer vermeintlich bewussteren Ebene genau das, wovon wir uns lösen wollen. Gewahrsein kann auch den Teil einschließen, der urteilt.
Wir müssen ihm nicht folgen, um ihn einschließen zu können.

Zwei Menschen liegen lächelnd nebeneinander, eine weitere Person berührt sanft den Kopf des Mannes.

Im Bewusstsein verankern

Wenn wir uns aus der Stimme in unserem Kopf heraus auf andere beziehen, sind wir nicht wirklich präsent und im Kontakt. Wir sind in Konzepten davon, wie andere sein sollten, nicht darin, wie sie sind. Solange ich weiß, wie du sein solltest, begegne ich nicht wirklich dir, sondern meiner Vorstellung von dir.

Je weniger wir mit dieser Stimme identifiziert sind, desto mehr Kapazität entsteht, tatsächlich wahrzunehmen, was gerade in uns lebt. Mich selbst. Dich. Und das, was gerade zwischen uns geschieht.

Präsenz zeigt sich darin, dass ich mich vom gegenwärtigen Moment wieder berühren lassen kann, anstatt ihn fortlaufend durch meine Vergangenheit zu filtern.

Die innere Arbeit mit der Stimme in unserem Kopf hat eine psychologische und zugleich spirituelle Komponente: Wir können unsere Muster tiefer erkennen und uns gleichzeitig im Gewahrsein und in der Präsenz verankern, je weniger wir mit dem Vordergrund unserer Erfahrung verklebt sind.

Zwei Frauen sitzen einander gegenüber, die Frau im blauen Oberteil lächelt ihr Gegenüber an.

Der inneren Stimme gemeinsam begegnen

Möchtest du dem inneren Kritiker mit mehr Neugier und Freundlichkeit begegnen? Bei unseren Gatherings findest du Raum für Selbsterfahrung, Bewegung und Begegnung. In der Übersicht kannst du das Format wählen, das dich anspricht.